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Marie Schlei

Vielleicht fragen Sie sich, wer unsere Namensgeberin war?

Vom Arbeiterkind zur Ministerin - das klingt wie eine Geschichte vom Tellerwäscher bis zum Millionär. Doch der Lebenslauf von Marie Schlei ist steinig und voller Umwege.

Sie wird am 26. November 1919 als Marie Stabenow in Reetz bei Stargard (Pommern) geboren. Ihr Vater ist Klempner und engagierter Sozialdemokrat, ihre Mutter Fabrikarbeiterin.

Wunschbild Lehrerin
Nach der Mittleren Reife kann sie wegen einer schweren Krankheit des Vaters und der Armut ihrer Familie ihren Wunsch, Lehrerin zu werden, nicht weiterverfolgen und arbeitet als Verkäuferin, Post- und Kommunalverwaltungsangestellte.
Dann kommt der Krieg. Zwei Jahre nach ihrer Heirat 1940 wird ihr erstes Kind geboren, 1943 fällt ihr Mann. Am Ende des Krieges steht die Flucht ins Weserbergland.
Nach Jahren der Resignation nimmt ihr Leben eine neue Wende. Sie heiratet zum zweiten Mal, und in Berlin kann sie 1947 doch noch ihren Berufswunsch verwirklichen: Sie wird Lehrerin, auch ohne Abitur.
Bald wird sie Rektorin im Wedding und später Schulrätin in Reinickendorf. Ihr Ziel, die Reform des Berliner Schulwesens, verfolgt sie mit großem Einsatz. Wichtig sind ihr besonders die Chancengleichheit in der Ausbildung der Mädchen und der Kinder aus sozial schwachen Familien. In ihrem Bemühen um Gerechtigkeit fühlt sie sich für viele Menschen verantwortlich.

Politisches Engagement
Marie Schlei ist seit 1949 SPD-Mitglied, seit 1969 Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete, später auch Mitglied im SPD-Fraktionsvorstand, 1974 unter Helmut Schmidt Parlamentarische Staatsekretärin im Bundeskanzleramt und von 1974 bis 1976 die erste weibliche Ministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit sind insbesondere die Rechte der Arbeitnehmer/innen und die Verbesserung der Situation der Frauen, sowohl in Deutschland (§ 218-Debatte) als auch in den Ländern der "Dritten Welt".

Seit 1948 ist Marie Schlei auch Mitglied der "Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft" und seit 1954 sehr engagiert in der Arbeiterwohlfahrt tätig.
1980 erhält sie für ihr soziales Engagement die "Ernst Reuter-Medaille".

Weit reichende Wirkung
Wegen einer Krebserkrankung ohne Aussicht auf Heilung erklärt Marie Schlei im September 1981 ihren Rückzug von ihren politischen Aufgaben. Auch in den verbleibenden zwei Jahren kümmert sie sich weiter intensiv um sozial Benachteiligte. Am 21. Mai 1983 verstirbt Marie Schlei im Alter von 63 Jahren. Auf der Trauerfeier gedenkt Bundespräsident Richard von Weizsäcker ihr mit den Worten: "Bis es ihre Kräfte nicht mehr zuließen, hat sie in der Arbeiterwohlfahrt mitgeholfen, soziale Arbeit zu leisten." - Ein Jahr später gründet sich der "Marie-Schlei-Verein" (Dr. J. Hoffmann-Straße 15, 55278 Hohnheim; Tel. 06737-9181), der als gemeinnützige Nichtregierungsorganisation Frauenausbildungsprojekte in der Ländern des Südens fördert.

"Marie Schlei hat in ihrem politischen Leben in jeder Hinsicht Maßstäbe gesetzt, mit ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit, ihrer Herzlichkeit und Solidarität - und vor allem in ihrer Konsequenz, den einmal für richtig befundenen Weg auch dann nicht zu verlassen, wenn sich Barrieren auftaten. Wir haben heute allen Grund, uns an sie zu erinnern und an den Grundsatz, der für sie stets handlungsleitend war:
Es macht den Wert und das Glück des Lebens aus, in etwas Größerem aufzugehen, als man selbst ist. [Teilhard des Chardin] “
Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder zum 80. Geburtstag von Marie Schlei.