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1879 kommt Marie Juchacz in kleinen Verhältnissen in Landsberg an der Warthe zur Welt. Sie arbeitet als Näherin, Fabrikarbeiterin und als Hausangestellte. Nach einer kurzen, unglücklichen Ehe, aus der zwei Kinder hervorgehen, geht sie 1906 nach Berlin. Bereits 1908, im selben Jahr, als es Frauen endlich uneingeschränkt erlaubt ist, Parteien anzugehören, tritt sie in die SPD ein.
Durch Talent zur Karriere
Ihre Gabe als Rednerin macht sie bekannt. Bereits 1913 wird sie als Parteisekretärin des Rheinlandes engagiert. Im Ersten Weltkrieg organisiert sie die Kriegswohlfahrt. Teil ihres Erfolges ist ihr realistisches Denken: Unbeeindruckt von weltanschaulichen Unterschieden arbeitet sie mit bürgerlichen Wohlfahrtsverbänden zusammen und sammelt gerade auch dort wertvolle Erfahrungen.
Nach dem Krieg wird gegen erbitterten Wiederstand weiter Kreise endlich das aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt. Marie Juchacz wird in das Reichsparlament gewählt und hält 1919 als erste Frau überhaupt eine Rede in einem deutschen Parlament. Im gleichen Jahr gründet sie die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und ist bis 1933 deren Vorsitzende.
Vision der AWO
Es ist nicht nur die aktuelle Not der Menschen nach einem verlorenen Krieg, die zur Idee einer "Arbeiterwohlfahrt" führt.
Politische Vision ist es, die herabwürdigende, von oben nach unten organisierte Armenpflege des alten Kaiserregimes abzulösen und die Idee der Selbsthilfe und Solidarität in eine moderne Wohlfahrtspflege hinein zu tragen.
Einschnitt durch das Dritte Reich
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten zwingt Marie Juchacz in die Emigration. Ihre Stationen sind das französisch verwaltete Saarland, Frankreich, das Frankreich des Vichy-Regimes, USA. Ihr Exil ist einsam. Erst nach Kriegsende, als sie auf Genossen und Genossinnen trifft, die Hilfe für Deutschland organisieren, fühlt sie sich dort heimischer und, ganz wichtig für sie, nützlich. Sie baut diese Hilfe mit auf und kehrt 1949 nach Deutschland zurück.
Als Ehrenvorsitzende der AWO bleibt sie eine gefragte Rednerin. 1956 stirbt Marie Juchacz, eine bedeutende Frau der deutschen Geschichte.
2003 ehrt die Deutsche Post AG Marie Juchacz mit der 1 Euro-Marke der Serie "Frauen der deutschen Geschichte". Mehr Informationen zu Marie Juchacz mit bibliophilen Angaben im
AWO-Archiv.