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Anna Nemitz kommt aus einfachen Verhältnissen. Sie wird 1873 in Bromberg (Bydszcz) geboren und arbeitet als Dienstmädchen und Schneiderin.
Armut und Kampf
Nach ihrer Heirat mit Carl Nemitz, einem aktiven SPD-Mitglied, tritt auch sie 1893 in die SPD ein. Bis 1907 beteiligt sich die Familie beim Kampf gegen das preußische Dreiklassenwahlrecht, das Arbeiter benachteiligt. Seine Tätigkeit brachte Carl Nemitz auf die so genannte „Schwarze Liste“ und die Familie zieht, um Repressalien zu entgehen, weg aus Preußen nach Bochum, später nach Berlin. Die politischen Themen dieser Zeit sind brisant, betreffen alle gesellschaftlichen Schichten und werden hart ausgefochten. Und Anna Nemitz, die mit der Zeit eine gefragte Rednerin wird, ist immer mittendrin dabei. Ein Beispiel für ein heiß umkämpftes Thema ist der Gebärstreik der Arbeiterinnen, bei der zwei Konzepte aufeinanderstoßen: Die bestehenden scharfen Klassengegensätze als Mittel und Ansporn zur Revolution zu nutzen oder im Hier und Jetzt die Lage der Arbeiterfamilien durch, in diesem Fall, weniger Kinder pro Familie zu verbessern. Anna Nemitz tritt dabei immer als Verfechterin einer pragmatischen Richtung auf.
Bis ins hohe Alter aktiv
Mit Marie Juchacz, der Gründerin der AWO, ist sie eng befreundet. In den 20er Jahren ist Anna Nemitz Beirätin für den Bereich Sozialhygiene der AWO. Nach der nationalsozialistischen Zeit, in der sie nur knapp der Verfolgung entkommt, tritt sie wieder in die SPD ein und wird, obgleich schon über 70, Abgeordnete des Westberliner Abgeordnetenhauses mit Wohnsitz in Ost-Berlin. Auf dem Foto (SPD-Parteitag 1954) ist sie 81 Jahre alt.
1962 stirbt Anna Nemitz, die unermüdliche Sozialdemokratin, mit 89 Jahren, ein Jahr nach dem Mauerbau. Auf dem damaligen Westberliner Waldfriedhof Zehlendorf wird sie beerdigt, die Trauerrede hält Berlins Regierender Bürgermeister und spätere Bundeskanzler Willy Brandt.
